ANDREAS MÖLZER
Abgeordneter zum Europaparlament

Keine Einmischung

EU forciert die Opposition in der Ukraine (ZZ 51–52/2014)

Immer deutlicher stellt sich die Europäische Union in dem nun schon seit Wochen tobenden Machtkampf in der Ukraine auf die Seite der Opposition. Natürlich ist Polizeigewalt gegen Demonstranten inakzeptabel, aber über ihre Zukunft hat die Ukraine zu entscheiden und nicht Einflüsterer oder Ratgeber aus dem westlichen Ausland. Zudem darf man sich von den pro-europäischen Massendemonstrationen in der Hauptstadt Kiew nicht täuschen lassen. In der östlichen, mehrheitlich russisch besiedelten Ukraine, sieht die Sache ganz anders aus. Hier richtet man sich traditionell an Rußland aus. Allein schon aus diesem Grund verbietet sich jede Einmischung, außer man will den Ost-West-Gegensatz in der Ukraine noch weiter vertiefen.

Geradezu skurril wird es, wenn Brüssel Moskau die Einmischung in innerukrainische Angelegenheiten vorwirft. Damit soll Rußland das verweigert werden, was EU und USA als selbstverständlich für sich in Anspruch nehmen. Oder glaubt man allen Ernstes, der Kreml würde westliche Interessen vertreten? Vielmehr ist Rußland schon allein aufgrund seiner Größe eine Weltmacht und verfolgt dementsprechend seine eigenen Interessen. Vor allem aber reagiert Moskau sehr sensibel auf alles, was in seiner unmittelbaren Nachbarschaft geschieht. Und dazu zählt eben auch die Ukraine, die seit der Zeit Peters des Großen Teil der russischen Einflußsphäre ist.